Unser Club-Ausflug 2010
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Am 20. M ärz war die Welt noch in Ordnung. An diesem Tag des kalendarischen Frühlingsanfangs kannten wir weder einen seltsamen Vulkan in Island, noch ahnten wir etwas von tagelangen Flugverboten. Aber selbst die wären uns gleichgültig gewesen. Denn zur schönen Tradition unseres Oldtimerclub Tegernseer Tal gehört der Ausflug mit dem Bus. Und der fährt seit den Sonntagsfahrverboten von 1973 immer.
Wieder fand unser geschätzter Vorstand zwei ungewöhnliche Ziele, die Hans Haslauer mit seinem Renault-Reisebus mit uns an Bord ansteuerte.Von Gmund aus ging es zunächst an München vorbei. Die frischen Butterbrezen fanden unterwegs ebenso hungrige wie dankbare Abnehmer, die ersten Flaschen wurden geköpft. Und dann ab Richtung Osten, Richtung Bayerischer Wald, genauer: nach Kollnburg, Nähe Viechtach. Dort hat es sich der Schmid Willi gemütlich eingerichtet. Das ist vielleicht einer. Der hat vor gut 30 Jahren, aber rechtzeitig das Rauchen aufgehört und mit dem gesparten Zigarettengeld - erzählt er jedenfalls - eine sehenswerte Sammlung an Motorrädern und Mopeds zusammengetragen. Vornehmlich Marke Zündapp, aber aber einige Adler, Horex, DKW und andere waren dabei. Zu fast jedem seiner Fahrzeuge kann er berichten, wie er zu dem guten Stück gekommen ist. Oft Tauschgeschäfte, oft aber auch der Lohn für Schreinerarbeiten, seinem eigentlichen Beruf. Weil der Schmid Willi aber nichts wegwerfen kann, finden sich bei ihm nicht nuralte Zweiräder, sondern auch zahlreiche Raritäten aus alten Haushalten, Werkstätten und Garagen: von längs ungültigen Geldscheinen über antike Holzskier bis hin zu riemengetriebenen Werkzeugmaschinen. Nur seine Heizungsanlage ist hypermodern: Sie verbrennt Stückholz.
Nach dem Mittagessen kutschierte der Hans uns mit seinem Bus wieder Richtung Westen. In der Nähe von Landshut findet sich das Automuseum Adlkofen. Das betreiben ein paar komplett Auto- und Motorrad-Verrückte, hauptsächlich aber Walter Proebst, vor allem aber dessen freundliche und charmante Frau Hilde. Die war es auch, die uns begrüßte und auch weniger gewöhnliche Fragen nach dem Hintergrund der Sammlung geduldig beantwortete. Das Adlkofen-Museum ist beileibe keine sterile Ausstellung mit repräsentativem Oldtimerbestand, sondern eine höchst persönliche Angelegenheit. Man spürt förmlich, dass hinter jedem der Fahrzeuge ein individueller Bezug, eine persönliche Faszination steckt. So kommt es, dass die Ausstellungsstücke vor allem ungewöhnlich sind. Eine Mercedes Heckflosse oder ein VW Käfer findet sich nicht. Dafür aber reichlich technische Perlen. Dazu zählen Tatra 603 mit V8-Heckmotor, BMW 3200 CS Bertone, Citroen SM, Alfa Montreal, Glas 2600 V8, Chevrolet Corvette Stingray, Messerschmitt Kabinenroller, einige Maserati wie 3500 GT, Ghibli und Quattroporte, mehrere Zweitakt-DKW, Ferrari Dino, Citroen DS 20, MGA und zusätzlich sicher gut zehn echte Rennwagen. Motoren haben es den Proebsts wohl besonders angetan. Denn zwischen den geparkten Autos stehen konstruktive Leckerbissen wie Ferrari- Zwölfzylinder, BMW-V8 und Tatra-Boxer wie selbstverständlich herum. Trotz des Namens Automuseum gibt es auch reichlich Motorräder. Auch bei den Zweirädern dominieren solche mit exquisiter Technik: eine Reihe von NSU inklusive einer 500cc-V2 von 1925, dazu die skurrile 100cc Imme, englische Norton und Triumph, italienische Ducati und Moto Guzzi, deutsche BMW und Hercules, aber auch frühe japanische Superbikes von Honda und Yamaha, dazu alte Sandbahnrenner und Eisspeedway-Maschinen aus den richtig gefährlichen Zeiten von Museumsgründer Walter Proebst. Viel zum Staunen. Und weil das Wetter hielt, bleiben wir und blieben und blieben.
Dann wurde es doch Zeit zum Aufbruch. Erst während der Kaffeepause an einem Flugplatz-Cafe setzte der erwartete Frühlingsregen ein, der uns die restliche Fahrt bis zum Tegernsee begleitete. Schön war's wieder einmal. Vielen Dank an alle, die geholfen haben.
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